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2017 Erntedank am 06.10.2017

Unter dem Titel „Säen, Ernten, Danken“ hatten Pfarrer Pitzal und Wolfgang Kempf, der als Künstler Mitglied im Kunstforum Renningen ist, aus Anlass des Erntedankfestes am Abend des 6. Oktobers 2017 in die St. Bonifatiuskirche eingeladen.
Dieser „besondere Abend“ (Pitzal) war weit mehr als eine Vernissage der acht Bilder des Künstlers, die in den Kontext des Erntedanks gestellt sind. Die vielseitige musikalische Umrahmung gab dem Abend sein besonderes Gepräge durch Beiträge von Clemens Kolbe am Saxophon zusammen mit Vincenz Krol an der Orgel, von Rosi und Frithjof Grögler an ihrer Drehorgel und des Marengomo Chores. Die Silben dieses Namens stehen für Malmsheim, Renningen, Gospel und moderne geistliche Musik. Albert Sauter rief mit seinem Liedvortrag die Besucher heraus „aus der Welt“ und hinein in die Welt der Kunst, erlebbar in dem Gesamtkunstwerk dieses Abends. Richtungweisend eröffnete er nach den einführenden Worten durch Pfarrer Pitzal den Abend mit dem Lied Franz Schuberts, das mit dem Dank an die Kunst endet und dessen erster Vers lautet:
„Du holde Kunst, in wieviel grauen Stunden, Wo mich des Lebens wilder Kreis umstrickt, Hast du mein Herz zu warmer Lieb entzunden, Hast mich in eine beßre Welt entrückt.“

Pfarrer Pitzal gab eine Einführung und Interpretation der Bilder Wolfgang Kempfs.
Je vier stehen einander an den Wänden gegenüber. Die Wandfläche zwischen den das Dach der Kirche tragenden Arkaden nimmt je ein Bild auf. Die Hängung - zwangsläufig die Wandstrahler nutzend, die als Befestigung dienen - ist damit bestens gelungen. Bildunterschriften geben jedem Bild sein Thema. Von der Kanzel aus links sind vier Bilder mit den Themen „Säen, Wachsen, Reifen und Ernten“ zu sehen, während die rechte Seite „Erde, Regen, Wind und Sonne“ thematisiert. Pfarrer Pitzal war wichtig, dass das Säen und Ernten Sache des Menschen ist, das Wachsen und Reifen aber nicht uns unserer Hand liegt. Er betonte auch, dass jedem Betrachter die je eigene Interpretation offensteht.

„Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“ (1. Kor. 3): Wolfgang Kempf selbst durfte die Kanzel besteigen! Er ordnete sein Werk der abstrakten gegenstandslosen Malerei zu, trug ausführlich Gedanken zur selektiven und ganzheitlichen Wahrnehmung vor und erläuterte seine Malweise in Ei-Tempera mit selbst hergestellten Farben.
Zwischenbemerkt sei, dass schon die Einladung zum Staunen war: Scheinbar hatte der Künstler sich für dieses Projekt im Sinne einer thematischen Vorgabe dem Erntedank ebenso wie den daraus folgenden Themen der einzelnen Bilder unterworfen. Da Wolfgang Kempf dabei sich selbst und damit der Abstraktion und dem Informel treu bleiben wollte, schien es, als würde er mit Farbsymbolik die Bezüge zum Thema herstellen. Die Überraschung des Abends war dann nicht nur, dass die gezeigten Bilder wie alle übrigen keinen Titel haben, sondern dass Pfarrer Pitzal den Künstler bei der Auswahl der Bilder und ihrer thematischen Zuordnung erfolgreich unterstützt hat. Beides verlangt bereits notwendig die Interpretation der Bilder.
Interessant ist, wie Theo van Doesberg die Konkrete Malerei definiert hat:
„Konkrete Kunst ist die Bezeichnung für eine Kunst ohne jede Beziehung zur visuellen Wirklichkeit, in der die bildnerischen Elemente weder Abbild der Natur noch symbolisch gemeint sind, sondern in einem Wechselspiel von (meist geometrischen) Formen nur sich selbst bedeuten.“

Im Gegensatz dazu kann man gefahrlos das Werk Wolfgang Kempfs als informelle Konkrete Malerei bezeichnen. Das Bild steht für nichts außer für sich selbst. Es entsteht auch aus sich selbst im Malprozess und nicht schon vorher in der Phantasie und Vorstellung des Künstlers. Es macht dem Philosophen natürlich besondere Freude, hier das Ding an sich unversehrt durch den Mangel menschlicher Wahrnehmungsfähigkeit vorzufinden. Diese Bilder sind nicht nur unvollkommen wahrnehmbar. Sie stehen nicht im Raum und haben keine Teile oder Seiten, die sich der Wahrnehmung entziehen oder perspektivisch verzerrt sind. Das Gemälde bildet nichts ab und stellt nichts dar und ist nicht mit Bedeutung aufgeladen. Ein solches Bild ist „Ding an sich“. Man ist vollkommen frei, sich dem Bild unbefangen zu nähern und es zu interpretieren. Durch diesen Prozess erst erhält das Bild Aussage und Bestimmung – die des Betrachters.

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